Fehler im System

Deutschland leistet Großartiges. Täglich treffen tausende Menschen an unseren Grenzen ein und wir scheinen jeden einzelnen mit großer Selbstverständlichkeit und Freude aufzunehmen. Vielleicht gelingt es nicht jedem, mit Wohlwollen auf syrische Asylanwerter zu reagieren, aber zumindest der Großteil der Bevölkerung antwortet mit Großherzigkeit und hilft.

Und doch muss man einsehen, dass auf Dauer alle ehrenamtlichen Leistungen und hauptamtlichen Einsätze der Helfer keinesfalls reichen. Was passiert derzeit? Eine Zeltstadt nach der anderen wird errichtet, mit Heizungen ausgestattet und am Ende mit Flüchtlingen angefüllt.
Das ganze Prinzip ist mehr als wackelig. 50 Asylanten, die Hälfte davon erkältet, in ein zugiges Zelt im aufkommenden Wind der Herbststürme zu stecken, kann keine Lösung sein.
Es ist aber leider die einzige…

Wie es überhaupt so weit kommen konnte, ist gar nicht einmal so schwer nachzuvollziehen. Die Nächstenliebe und der Zusammenhalt (in der EU) fehlen! Wurde das schon an Griechenlands Reaktion an manch verhassten deutschen Geldgeber deutlich, kann man jetzt nur von Bestätigung sprechen.
Polen, zum Beispiel, ist keinesfalls gewillt Flüchtige muslimischer Religion aufzunehmen. Argument: Diese Religion passt nicht zum Land. Das ist nicht wirklich annehmbar, jedoch kann der Vorgang durch die zahlreichen Menschen, die aus der benachbarten Ukraine fliehen, durchaus akzeptiert werden.
Auch ein anderes Nachbarland handelt politisch nicht so richtig, wie man eigentlich denken würde. Österreich hat sich zu einem „Schleuserland“ entwickelt. Der korrekte Weg, ankommende Flüchtlinge zu registrieren und ihnen Asyl zu gewähren, wird umgangen, man fährt den Großteil mit Bussen von der ungarisch-slowenischen bis wenige Kilometer vor die deutsche Grenze, von wo sie, mit Kartenmaterial ausgestattet, über selbige gelangen.
Die Verantwortung wird weitergeschoben. Es kommt einem vor, als würde jeder EU-Staat für sein eigenes Wohl kämpfen.

Besonders in Osteuropa wird die Lage bedenklich. Dass manche Länder dort keine Flüchtlinge aufnehmen, wirkt nachvollziehbar. In Staaten, wie Rumänien, liegt das monatliche Durchschnittseinkommen in den meisten Regionen unter dem Betrag, den ein Asylbewerber bei uns pro Monat als Taschengeld bekommt. Dort sind die ankommenden Menschen schlicht und einfach zu teuer.
Doch Menschenrechte müssen gewahrt werden! Dass Ungarn einen Zaun errichtet, ist fatal. Der Winter steht bevor.
Nach diesem Akt bewegt sich der Flüchtlingsstrom nun vor allem über Slowenien, das völlig überfordert wirkt.
Das Resultat: Jeder zweite Flüchtling wird in Deutschland oder Schweden registriert.
Dorthin will auch fast jeder Syrer; die Lage in beiden Ländern wird schlechter.
In der Heimat der Fliehenden stellt man sich Deutschland, wie auch Schweden, als Länder unvergleichlichen Reichtums und Arbeit für jeden vor.
Enttäuscht nimmt dann der Großteil der Menschen zur Kenntnis, dass man vorerst in Zelten und Turnhallen unterkommt. Unterkommen muss.
Einige der Ankommenden reagieren mit vor Verwunderung gesenkten Köpfen, nicht wenige mit Wut. Zum einen ist diese Reaktion verständlich, sind Feldbetten in kleinen Räumen keine angenehme Situation, zum anderen kann man Stänkereien und Beschwerden nicht verstehen, hat es doch jeder in Deutschland gelandete Mensch geschafft, sein Ziel, ein Leben in Frieden und fernab vom Krieg zu finden, erreicht.
Sicher verspürt der größte Teil aller Aufgenommenen große Dankbarkeit, die wenigen Quertreiber gießen in einer ohnehin schon angespannten Situation aber ziemlich viel Öl ins Feuer. Wenn nicht gerade Zelte in Slowenien brennen…
Auch hier hat sich wieder das Problem fehlenden Verständnisses eingeschlichen. Manche Flüchtlinge können nicht verstehen, dass Deutschland, besonders seine vielen Helfer, alles in seiner Macht stehende tut, um die Situation zu verbessern.
Auch die Asylbewerber selbst sind gefragt, wenn es heißt zu deeskalieren und einen respektvollen Umgang aller Menschen miteinander anzustreben.
Man muss als Einheimischer die Mentalität der Menschen aus dem Nahen Osten erst verstehen lernen, sie ist nun mal zweifelsohne eine komplett konträre zu der unseren.
Es müssen gute Wege zueinander gefunden werden und jede Kultur der anderen Freiraum gewähren.

Wir werden alle weiterhin gefordert sein und am Ende wird vor allem eines den Ausschlag geben: Nächstenliebe.

Jürgen Rauscher