Klebriges Gold

tnerdoe

Erdöl ist der Schmierstoff unseres Fortschritts. Von keinem anderen Rohstoff ist der moderne Mensch auf so gefährliche Weise abhängig.
Durch die Entdeckung der schwarzen Ressource wurde ein großer
Entwicklungsprozess angestoßen, der nichts weniger als eine Veränderung
des menschlichen Lebens als Folge hatte. Benzin, Plastik oder auch
Medikamente, werden auf der Basis der zähen Flüssigkeit hergestellt.
Wenn sie erst einmal versiegt ist, wird eine neue Ära ungewisser Art
anbrechen…
Titusville ist heute vielleicht nur ein kleines, verschlafenes Dorf irgendwo in Pennsylvania; zugleich aber auch einer der geschichtsträchtigsten Orte der Erde. Als Ende August 1859 dort das erste Mal erfolgreich kommerziell nach Erdöl gebohrt wurde, gelingt endlich, was schon Jahre in den Köpfen einiger Vordenker schwebt: der Durchbruch eines neuen Brennstoffes.
Bis zur Entdeckung des Petroleums nämlich, das man aus Kohle gewinnen
konnte, verbrannten noch nahezu alle Amerikaner Walöl in ihren Lampen.
Folglich sanken innerhalb weniger Jahre, in denen immer größere
Walfängerflotten ausliefen, die Bestandszahlen an Meeressäugern ins
Bodenlose; parallel stiegen die Preise für das nur noch rar am Weltmarkt
verfügbare Walöl ins Unermessliche.
Die logische Folge: ebenfalls raffiniert zu Petroleum war es bald Erdöl, das
sicher, billig und rußarm Licht in die Häuser der Welt brachte.
Die Erfolgsgeschichte Rollt man die Geschichte aber von Beginn auf, muss man nicht in amerikanischer Einöde beginnen, sondern sich nur auf eine tief verankerte gedankliche Koppelung vertrauen:
Öl steht für den Orient. Der Orient steht für Öl. Tatsächlich ist das wohl so. Schon vor 14000 Jahren entdeckten Menschen im vorderen Orient, dass sich Erdöl, das bis an die Oberfläche aufgestiegen war und dort zum sogenannten Bitumen wurde, hervorragend eignet um damit Bootsplanken abzudichten. Die Römer, bekanntlich ja die größten
Industriespione der Antike, nutzen ein paar Jahrhunderte später, nach dem Vorbild der Griechen, Rohöl als Schmierstoff für Achsen.
Im Byzanz des 7. Jahrhunderts verwendete man dünnflüssiges Öl sogar als
Brennstoff für das „griechische Feuer“. (Eine antike Art des Flammenwerfers, der sich in Seeschlachten bald bewährte.)
Der wirkliche Beginn Indes wussten wahrscheinlich selbst führende Naturwissenschaftler damaliger Zeit nicht, woher genau die leichtbrennbare Flüssigkeit stammt und vor allem, wie sie entsteht…
So absurd es klingen mag, aber auch heute ist man sich darüber nicht ganz einig!
Zuerst einmal kann man Erdöl chemisch in nicht weniger als
17.000 Bestandteile aufschlüsseln, wobei Kohlenwasserstoffe inhaltlich am häufigsten vorkommen. Je nachdem aus welcher Quelle das klebrige Gold sprudelt, hat es eine andere Grundform. Dabei reicht die Konsistenz von dünn und flüssig bis dick und zäh. Ebenso hat das Farbenspektrum eine Reichweite von hellgelb bis tiefschwarz.
Entstanden sind aber alle Öle (nach einer von zwei konkurrierenden
Theorien) gleich: vor circa 200-65 Millionen Jahren sanken
Kleinstlebewesen, v.a. Algen, in Urmeeren zusammen mit Tonpartikeln zu
Boden. Ein fasst sauerstofffreies Umfeld entstand und der dadurch
konstruierte, sogenannte Faulschlamm wurde im Laufe der Zeit durch neue Schlammschichten, die ihn überlagerten, zunehmend mehr Druck
ausgesetzt. Bei Temperaturen von 60 bis 200 Grad Celsius wandelten dann
anaerobe Bakterien die Biomasse in Erdöl um.

Die Konstanz des Öls
Weltweit werden ungefähr 94,5 Millionen Barrel(1 Barrel= ca. 159l) Rohöl am Tag verbraucht. Wobei dieser Verbrauch trotz großangelegter Klimapolitik jährlich steigt; in erster Linie weil aufstrebende Schwellenländer zunehmend mehr Öl beanspruchen. Allerdings ist es wohl die Pflicht der Industriestaaten die Gesamtmenge an verbrauchtem Öl zu reduzieren. Die Vereinigten Staaten stellen immer noch den bei weitem größten Verbraucher dar. Bereits nach dem zweiten Weltkrieg setzte der erste wirkliche Ölboom ein, die 50er-Jahre ließen die Fördermengen mit neueren Techiken in bisher ungeahnte Höhen steigen. Aber schon damals äußerten Experten Bedenken in Hinblick auf den stetig und ungeahnt steigenden Verbrauch, der unweigerlich zum kompletten Aufbrauchen der Ölreserven führen musste: man sagte bis in die 70er das Ende der Öl-Ära vorraus. Doch, wie die ein oder andere Ölkrise bewieß, wurde auch ab 1970 mehr und mehr des Rohstoffs aus dem Untergrund geholt.
Man gestand dem Öl noch Standvermögen bis 1995 zu…
Da die Kalkulationen sich wiederum als falsch erwiesen, errechnete man
erneut 30 Jahre für die noch genügend Reserven vorhanden sind.
Dieses interessante Phänomen, dass weltweite Ölreserven immer noch um
die 20-30 Jahre vom Gegenwartszeitpunkt aus reichen, bezeichnet man als „Erdölkonstante“. Derzeit schätzt man 40 bis 50 Jahre in denen noch
optimal Öl gefördert werden kann. Der Umstand, dass das Öl anscheinend
nicht weniger wird, ist darauf zurückzuführen, dass neue Fördertechniken
(man denke an Ölsand oder Fracking) neue Reserven erschließen. Aufgrund dieser Reserven, die in teilweise gebundener Form vorliegen und jetzt wirtschaftlich erfolgreich verwertet werden können, kann Venezuela die meisten Ölreserven aufweisen. 100 Liter Benzin gibt es dort für
(umgerechnet) einen US-Dollar.
Theoretische Ansätze
Manche Wissenschaftler begründen die Erdölkonstante auch in einer
interessanten Theorie: das Öl geht nie aus. Scheint dieser Gedanke zunächst absurd und absolut unmöglich, scheint aus chemischer Sicht vielleicht mehr oder weniger Wahrheit in ihm zu liegen. In der „abiotischen“ Hypothese geht man davon aus, dass Erdöl aus anorganischen Kohlenwasserstoffen gebildet wird und quasi ständig im Erdmantel nachproduziert wird. Die These klingt verlockend, außerdem konnte man in einer vielbeachteten Versuchsreihe beweisen, dass sich Methan, der Erdgashauptbestandteil, sehr wohl im Erdmantel bilden kann, doch von Methan bis Erdöl ist es nicht nur ein weiter Weg, sondern auch das Gros der Experten hält die Idee (leider) für unrealistisch. So muss man damit rechnen, dass der der „Peak-Oil“, also der Punkt, an dem mehr Öl verbraucht wird, als man zu gewinnen in der Lage ist, in baldiger Zukunft eintritt. Derzeit fördern Saudi-Arabien und Russland das meiste schwarze Gold aus dem Boden. Zusammen gewinnen diese Staaten 25,5% der täglichen Weltgesamtfördermenge. Die USA haben allerdings seit kurzem immer mehr Ambitionen diese Verhältnisse mehr in ihre Richtung zu drehen und können (auch dank neuer Technik) mittlerweile die Spitzenpositionen der asiatischen Staaten empfindlich gefährden. Durch das stetige Kämpfen um diese Vormachtstellung ist es auch zu erklären, dass der Ölpreis auf einem nicht mehr zu erwartenden Tiefpunkt angekommen ist. Amerika pumpt derzeit ordentlich Öl auf den Markt, die OPEC-Staaten drücken die Preise, im Verdacht, dass den Vereinigten Staaten dann die neuen, teuren Verfahren(Ölschiefer…) zu unrentabel werden und sie sich aus dem Kampf um den niedrigsten Preis zurückziehen, was bisher nicht der Fall ist. Deutschland selbst holt im Jahr 1,2 Mio. Tonnen Öl aus dem Watt(!). Das ist zwar geologisch nicht richtig, allerdings steht Deutschlands einzige Förderanlage, die Mittelplate, auf einer Bohrinsel im Nationalpark Wattenmeer.
Seit 1985 betreibt man die Plattform kommerziell. Das Fördermaximum lag vor ein paar Jahren bei über 2 Mio. Tonnen im Jahr, sinkt jetzt aber stetig. Genauso wie in Deutschlands hohem Norden wird es auf der ganzen Welt in den nächsten Jahren spannend bleiben. Schon jetzt jedenfalls sorgt das noch ferne Öl-Aus für Kopfzerbrechen bei manchen Wirtschaftlern, einige Forscher tüfteln schon freudig an Alternativen…

 

Jürgen Rauscher

Quellen:
http://www.planet-wissen.de/technik/energie/erdoel/pwiewieisterdoelentstanden100.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Erd%C3%B6l
http://www.chemie.de/lexikon/Erd%C3%B6lkonstante.html
http://www.finanzen.net/rohstoffe/oelpreis
http://www.faz.net/aktuell/politik/peak-oil-these-durch-einsatz-neuer-technologien-ueberholt-
13316138.html
http://www.peak-oil.com/was-ist-peak-oil/abiotische-theori
http://www.seilnacht.com/Lexikon/erdoel.html
http://www.welt.de/wissenschaft/article4367995/Der-unwahrscheinliche-Traum-vom-ewigen-
Erdoel.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelplate_(%C3%96lfeld)