Wie funktioniert das Asylverfahren in Deutschland?

Kompliziert, langwierig und viel zu
aufwändig, diese Begriffe hört man
oft, wenn über das Asylverfahren
gesprochen wird. Doch stimmt das
wirklich?

In letzter Zeit hört man immer wieder Debatten um das Asylverfahren in Deutschland: Es heißt, es sei zu kompliziert und vor allem dauert es zu lange. Doch wie läuft es eigentlich ab, wenn ein Flüchtling einen Asylantrag stellt und ist die Kritik wirklich berechtigt? Das Erste, was man über das Asylverfahren wissen sollte, ist, dass ein Asylantrag nur gestellt werden kann, wenn man bereits in Deutschland angekommen ist. Bereits an der Grenze entscheidet sich das Schicksal vieler Flüchtlinge Wer aus einem sicheren EU Land kommt, wird zurückgeschickt, wer ein Visum hat, darf einreisen und wenn jemand keine gültigen Papiere dabei hat, wird geprüft, ob er eine Chance auf Asyl hat. Ist diese erste Hürde geschafft, können sich die Flüchtlinge als asylsuchend melden und werden dann in Erstaufnahmeeinrichtungen aufgenommen. Beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ist nun der Asylantrag zu stellen. Der Asylantrag muss, bis auf wenige Ausnahmen, persönlich gestellt werden. Hierzu steht dem Asylsuchenden ein Dolmetscher zur Verfügung. Ein wichtiger Teil des Verfahrens ist die persönliche Anhörung. Hier muss der Flüchtling selbst seine Beweggründe vortragen, die ihn zur Flucht gezwungen haben, seinen Weg nach Deutschland und Gründe, die eine Abschiebung verhindern, genau erklären. Bestenfalls soll dies auch mit Beweisen belegt werden. Aufgrund der hohen Anzahl an Asylsuchenden kann es allerdings bereits mehrere Wochen dauern, bis es überhaupt erst zu einer persönlichen Anhörung kommt. Nach dieser wird dann entschieden, ob der Bewerber Asylrecht beziehungsweise Flüchtlingsschutz erhält. Die Kriterien hierfür sind sehr präzise festgelegt, müssen aber dennoch bei jedem Fall neu angepasst werden. Wirft man einen Blick auf die Gesamtverfahrensdauer, also die Zeit, die von der Aktenanlage bis zum rechtskräftigen Beschluss vergeht, so zeigen die Daten von 2012, dass die durchschnittliche Dauer bei ca. 12 Monaten liegt. Berücksichtigt man jetzt die in letzter Zeit stark angestiegenen Flüchtlingszahlen, so kann man annehmen, dass auch die Verfahrenszeit steigt. Besonders die Wartezeit auf die persönliche Anhörung verlängert sich so. Betrachtet man das gesamte Asylverfahren, so erkennt man, dass es doch sehr aufwändig ist. Besonders die persönlichen Gespräche mit passendem Übersetzer sind sowohl für den Asylsuchenden als auch für die Behörde nicht leicht. Jedoch ist es notwendig, jeden Fall genau zu prüfen, um wirklich sicher zu gehen, wer ein Recht auf Einwanderung und Schutz hat und wer nicht. Um die Wartezeit zwischen den einzelnen Terminen für die Asylbewerber zu verkürzen, könnte man aber darüber nachdenken, mehr Personal in diesem Bereich einzusetzen, um das ganze Verfahren zu beschleunigen.

Magdalena Krenn

Quelle:
– http://www.zeit.de/video/2014-02/3255600763001/fluechtlinge-das-asylverfahren-in-deutschland
– http://www.bamf.de/DE/Migration/AsylFluechtlinge/Asylverfahren/asylverfahren-node.html