Ein Blick in die Zukunft. Roboter, die das Leben einfacher gestalten

Ein Blick in die Zukunft. Roboter, die das Leben einfacher gestalten

(von links) Paula Martin, Qualitätsingenieurin; Hansruedi Früh, Geschäftsführer und Frederic Zwilling Softwarentwickler

eXpresso: Gruezi, wir sind die Klasse 9b und wir machen bei einem Projekt mit, bei dem wir etwas über KI lernen wollen. Und dazu hätten wir ein paar Fragen.

Hansruedi Früh: F&P robotics ist eine Firma in der Nähe vom Flughafen Zürich und wir sind jetzt gut 5 Jahre jung. Wir haben die Passion, Roboter zu entwickeln und bereitzustellen, die vor allem sehr persönliche Ineraktion mit Menschen eingehen. In der Industrie arbeiten wir mit Robotern zusammen, im Dienstleistungsbereich helfen uns Roboter, das Leben einfacher zu gestalten.

eXpresso: Was können die Ihre Roboter alles?

Paula Martin: Unsere Roboter arbeiten in zwei Handlungsfeldern: Pflege-Roboter und Roboter für die Gastronomie. Care-Roboter, das sind Assistenzroboter, die im Altenheim eingesetzt werden. Lio hilft zum Beispiel Menschen, die sich nicht mehr ganz frei bewegen können. Er kann Sachen aus der näheren Umgebung anreichen, er kann auch an Termine erinnern oder die Personen einfach unterhalten, indem er z.B. Geschichten erzählt oder vorliest. Er kann im Internet Informationen suchen, zum Beispiel die Wetterangaben. Er animiert die
Menschen im Altenheim auch, sich ein bisschen zu bewegen. er macht Gymnastik mit Menschen, die den ganzen Tag sitzen, sodass sie zum Beispiel ihre Arme trainieren.
Das zweite Handlungsfeld ist die Gastronomie, Barney heißt hier unser Roboter. Der ist im Bereich Entertainment unterwegs. Er erzählt Witze und unterhält die Gäste, während er ihnen auch noch Drink mixt in genau der Zusammensetzung, die der Gast gerne haben möchte.

Das ist auch ein Kollege hier. Das ist ein Roboter, den wir für chinesiche Kunden entwickelt haben. Davon gibt es etwas sieben Stück und die sind schon mehrfach unterwegs gewesen auf Konferenzen und letztes Jahr hat er den Preis für das innovativste Produkt erhalten. Es ist ein zweiarmiger Roboter, eine sehr komplexe Maschine.

eXpresso: Wie akzeptieren die älteren Leute im Seniorenheim die Roboter, da ja einige Leute Probleme mit der Technik haben.

Frederic Zwilling: Nun, ja, es kommt auf die Person an. Es gibt Leute, die sind offener gegenüber Robotern und andere, die lehnen Roboter eher ab. Aber von der Interaktion versuchen wir das ganze so zu gestalten, dass man keine große Technik- Begabung braucht, und die braucht man zur Zeit auch nicht. Das heißt, wir gestalten die Interaktion so natürlich, dass man zum Beispiel den Roboter über die Sprache steuert. Wenn er einen Patienten fragt, ob er ein Glas Wasser möchte, dann reicht es, wenn der mit Ja oder Nein antwortet. Alternativ aben wir verschiedene Sensoren an den Fingern für die ja/ nein Eingabe, dadurch wird die Interaktion recht einfach. Der Roboter verhält sich natürlich, das macht es für die älteren Personen einfacher, mit dem Roboter zu arbeiten, auch wenn sie nicht so viel Erfahrung haben. Wichtig ist auch, dass der Umgang mit den Robotern Spaß macht. Je mehr Spaß es macht, desto besser werden die Roboter akzeptiert.

eXpresso: Woher kennt der Roboter die Geschichten, die er den Senioren erzält?

Frederic Zwilling: Die Geschichten werden programmiert, der Roboter liest sie dann vor. Wir haben zum Beispiel in einer Rehaklink eine Geschichte programmiert, die von einem Patienten erzählt, der einen Unfall hatte. In der Geschichte wird erzählt, wie er in der ReHa trainiert, bis er dann wieder geheilt ist. Sie Geschichte soll den Genesungsprozess unterstützen. Für das Altenheim haben wir in Büchern gesucht, so haben wir ein paar schöne Geschichten gefunden, die wird dann programmiert haben.

eXpresso: Werden die Daten einer Person, wenn diese stirbt gelöscht?

Frederic Zwilling: Die Datenschutzregelungen sind mittlerweile relativ streng in Deutschland und in ganz Europa. Die Daten dürfen nur so lange genutzt werden, wie sie auch gebraucht werden. Wenn eine Person stirbt, werden sie gelöscht. Personenunabhängige Daten dürfen wir allerdings speichern, dazu gehört z.B. wie häufig Personen wollen, dass der Roboter einen Witz erzählen. Das sind Daten, die für unsere Statistik nützlich sind, um die Roboter zu verbessern. Wir analysieren das Nutzerverhalten.

eXpresso: Warum sehen die Roboter nicht menschlicher aus.

Paula Martin: Mir gefällt es besser, wenn die Roboter nicht ganz so menschlich aussehen. Andererseits hat Lio ja Augen, sodass er doch etwas aussieht wie ein Mensch. Aber man erkennt trotzdem noch, es ist ein Roboter. Es ist nicht ein Mensch, der einen anderen Menschen ersetzt, sondern es bleibt eine Assistenz für uns; ein zusätzlicher Greifarm, der uns assistiert. Es gibt eben natürlich auch Projekte, wo die Roboter etwas menschlicher aussehen – zum Beispiel der, der hinter uns steht, den wir vorher gezeigt haben.

Hansruedi Früh:
Es gibt hier einen Unterschied zwischen Europa und Asien. In Asien mögen die Menschen eher humanoide Roboter, in Europa wollen sie nicht Maschinen, die Tieren ähneln oder aussehen wie aus einem Comic.
Ein wirklicher Unterschied ist aber, dass die Erwartungen der Menschen viel höher sind. Von einem humanoiden Roboter erwartet man, dass er alles kann. Deshalb ist es für uns ein Nachteil. Man projeziert alles hinein und wir können nur einen kleinen Bruchteil davon liefern. Aus diesem Grund ist es für uns angenehm, einen Lio zu haben, der eher so wie eine Maschine daherkommt.

Frederic Zwilling: Die Beweglichkeit lässt sich z.B. mit Raupen viel besser umsetzen. Wenn ein Roboter zwei Arme und zwei Beine hat, muss man sehr viel Energie darauf verwenden, dass die Arme und Beine sich nicht in die Quere kommen. Es ist auch für einen Roboter schwer, zwei Arme zu koordinieren. Bei Raupen ist die Navigation viel einfacher.

eXpresso: Gibt es schon einen wirklichen Markt für solche Roboter

Hansrüdi Früh: Ja, die Märkte sind im Augenblick überall am Entstehen. Unsere Schwerpunkte sind die Gastronomie und der Gesundheitsbereich. Unser Bar-Roboter Barney ist cool, er mixt Getränke und unterhält die Gäste. Für den Markt ist es wichtig, dass es Spaß macht, sich mit den Robotern zu beschäftigen.
Im Care-Breich gibt es eine große Nachfrage. Es gibt zu wenig Pfegekräfte, um die älteren Menschen zu versorgen und unsere Gesellschaft wird ja auch immer älter. Da können unsere Robote die Pflegekräfte unterstützen. Aber, wie gesagt, die Funktionen sind im Augenblick noch in der Entwicklung. Je mehr die Roboter können, desto mehr werden sie auch eingesetzt. Je intelligenter sie antworten, desto mehr werden sie geschätzt.

eXpresso: Wie lange dauert es noch, bis KI komplexe Prozesse verarbeiten kann.

Frederic Zwilling: Es kommt jetzt darauf an, was für komplexe Prozesse du meinst, und es gibt viele verschiedene Sachen die KI gut oder schlecht kann, genau wie ein Rechner gut rechnen kann, er aber nur sehr schwer z.B. Intentionen von Menschen versteht. Und mit dem ganzen maschinen learning, was gerade so gehypt wird, kannst du schon son bisschen sehen, dass Computer immer komplexere Sachen verstehen können. Heute können Computer erkennen, wo auf einem Bild Gesichter sind. Wenn eine Überwachungskamera filmt, erkennt die KI, ob auf den Bildern Menschen zu sehen sind. Das war vor einigen Jahren noch nicht so möglich. Die Aufgaben, die ein Roboter lösen kann, werden immer komplexer. Im Internet gibt es ein Video, da löst ein Roboterarm einen Rubik’s cube mit einer Hand. Das ist zum Beispiel ein sehr komplexes Problem, aber es ist dennoch noch beschränkt auf diese eine Anwendung.
Genau das macht man heute, man entwickelt KI’s für sehr spezielle, sehr eng zugeschnittene Anwendungen; Roboter gehen vorgefertigen Aktionen durch, für die sie programmiert wurden. Eine KI, die alles versteht, ist noch viel zu kompliziert. das wir auch noch dauern, bis man soweit ist.

eXpresso: Werden Roboter die menschlichen Arbeitskräfte ganz ersetzen?

Hansrüdi Früh: Das ist für mich klar, dass die Roboter die Menschen niemals ganz ersetzen, zumindest nicht im Dienstleistungsbereich. In der Industrie, da muss ich sagen, kann es durchaus in der Zukunft Fabriken geben, in denen gar keine Menschen mehr arbeiten, weil produzieren kann eine Maschine besser. Aber im Dienstleistungsbereich geht es nicht ohne Menschen.

eXpresso: Wir bedanken uns ganz herzlich, dass Sie sich die Zeig genommen haben und dass wir einen Blick in die Welt der KI werfen durften.
Auf Wiedersehen nach Zürich

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